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Puschels erstes Traumabenteuer
Ritter Puschel und das Geheimnis von Schloss Kicherstein
Ein Traum voller klingender Blumen, großer Schatten und kleiner Überraschungen. Acht gemütliche Kapitel mit Puschel und Flauschi zum Lesen und Vorlesen.
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Alle acht Kapitel mit Erzählerin, Puschel und Flauschi · etwa 21 Minuten · auf Deutsch
Kapitel 1 von 8
Nur noch ein kleines Abenteuer
Im Wuselhaus war es still geworden. Hinter den runden Schlafzimmerfenstern lag der Wald im Abendlicht. Puschel und Flauschi hatten sich in ihr gemeinsames Bett gekuschelt. Die grünen Kissen waren zurechtgerückt, und über der hellen Bettdecke lag die rosa Strickdecke.
Puschel zog sie ein kleines Stück höher.
Puschel„Wenn ich meinen Bauch zudecke, gucken meine Pfoten raus. Wenn ich meine Pfoten zudecke, guckt mein Bauch raus.“
Flauschi hob den Rand an seiner Seite an. Puschels Schweif hatte die halbe Decke unter sich gesammelt.
Flauschi„Dein Schweif hat sich schon ein eigenes Bett gebaut.“

Puschel befreite die Decke und strich sie glatt. Dann lag er bequem da, mit warmem Bauch und warmen Pfoten. Nur seine blaue Stirnlocke wollte noch nicht zur Ruhe kommen. Sie stand ein wenig vom Kopf ab, als hätte sie eine Frage.
Puschel„Meinst du, ich wäre ein guter Ritter?“
Flauschi drehte sich zu ihm. Ihre weiße Blüte saß am linken Ohr, ein bisschen zerzaust vom Kissen.
Flauschi„Was würdest du denn als Ritter machen?“
Puschel„Ein Schloss besuchen. Ein Abenteuer erleben. Und dich retten, wenn ein böser Drache kommt.“
Flauschi„Dann möchte ich aber mitbestimmen, wie ich gerettet werde.“
Puschel„Natürlich. Du kennst bestimmt den besten Rettungsweg.“
Sie kicherte leise.
Flauschi„Und du findest unterwegs etwas, womit keiner gerechnet hat.“
Puschel wollte gerade antworten. Doch sein Mund machte stattdessen ein großes Gähnen. Flauschi gähnte gleich mit. Einen Augenblick später waren ihre Augen geschlossen. Ihr Atem wurde ruhig.
Puschel hörte noch das Rascheln der Decke. Es klang wie Blätter auf einem Weg. Die Falte vor seinen Pfoten sah plötzlich aus wie ein Hügel. Dahinter lag noch einer. Und noch einer.
Seine Augen fielen zu.
Neben ihm atmete Flauschi ruhig. Puschel sank tiefer in sein Kissen und begann zu träumen.
In seinem Traum wurden die Deckenfalten zu sanften Wiesenhügeln. Das Abendlicht wuchs zu einem goldenen Himmel. Ein schmaler Weg schlängelte sich zwischen Blumen hindurch, und ganz hinten stand ein Schloss mit runden Türmen.
Puschel setzte eine Pfote auf den Weg.
Es fühlte sich an, als hätte sein Abenteuer schon die ganze Zeit unter der Bettdecke gewartet.

Kapitel 2 von 8
Ein Ritter mit Schweif
Puschel schaute an sich hinunter.
Um seine Schultern lag ein kurzer weinroter Umhang. Er endete weit über dem Boden. Sein großer blau-hellblauer Schweif konnte darunter frei wackeln, und sein heller Bauch blieb vorn sichtbar.
Auf seinem Kopf saß ein silberner Ritterhelm. Er war leicht und glatt und hatte Platz für beide Ohren. Vorn lugte Puschels Stirnlocke heraus.
Puschel hob den Kopf. Der Helm rutschte ein wenig nach hinten.
Er senkte den Kopf. Der Helm rutschte wieder nach vorn.
Puschel„Aha. Ein Helm mit eigener Meinung.“
Er richtete ihn mit beiden Pfoten und betrachtete sich in einer blanken Pfütze. Da war seine kleine schwarze Nase. Da waren seine vollen hellblauen Wangen. Da war sein rundes blaues Wuselgesicht.
Er sah immer noch wie Puschel aus. Nur mit Helm.

Neben dem Weg stand eine niedrige Bank. Darauf lag ein kleiner blauer Beutel mit einem Apfel, einem Tuch und einer geschlossenen Trinkflasche. Puschel steckte alles ein und schob den Beutel an seine Seite, wo er den Schweif nicht störte.
Puschel„Für ein Abenteuer braucht man bestimmt etwas zu trinken. Und falls das Abenteuer kleckert, ein Tuch.“
Dann wollte er besonders ritterlich losgehen. Aufrecht. Mit feierlichem Gesicht. Mit großen Schritten.
Beim dritten Schritt schwang sein Umhang nach vorn. Puschel blieb stehen, bevor er darauftrat.
Er sah den Umhang an. Der Umhang sah nicht zurück. Trotzdem schien er sehr zufrieden mit sich zu sein.
Puschel faltete die beiden vorderen Ecken nach außen und steckte sie unter die seitlichen Laschen. Jetzt blieb der Stoff hinter seinen Pfoten.
Puschel„So. Du darfst mitkommen, aber du führst mich nicht spazieren.“
Der Weg war breit und trocken. Puschel ging zwischen Glockenblumen und weichen Grashügeln hindurch. Manchmal blieb er stehen und sah zum Schloss. Die Türme hatten runde Dächer, und die Fenster glänzten warm.
Über dem Tor hing eine kleine Glocke. Als der Wind hindurchstrich, klang sie wie ein leises Kichern.
Puschel„Das muss Schloss Kicherstein sein.“
Er probierte einen feierlichen Gruß.
Puschel„Ritter Puschel meldet sich zum Abenteuer!“
Er hob die Pfote zum Gruß. Sein Schweif schwang so begeistert mit, dass der Umhang sich kurz wie eine Fahne aufblähte.
Vom Tor her kam ein vertrautes Lachen.
Flauschi„Du und dein Schweif seid herzlich willkommen!“
Kapitel 3 von 8
Prinzessin Flauschi hat etwas gehört
Puschel ließ die Pfote sinken. Sein Schweif wackelte weiter.
Im geöffneten Schlosstor stand Flauschi.
Sie trug ein weiches rosafarbenes Kleid, das ihre Pfoten frei ließ. Hinten hatte es eine Öffnung für ihren orangefarbenen Schweif. Eine kleine goldene Krone saß rechts auf ihrem Kopf. Ihre weiße Blüte blieb links an ihrem Ohr.
Ihre cremefarbene Schnauze und ihre braune Nase sahen genauso aus wie immer. Nur die Augen glänzten besonders vergnügt.
Puschel machte eine Verbeugung. Diesmal hielt er den Helm mit einer Pfote fest.
Puschel„Prinzessin Flauschi! Ich bin gekommen, um dich zu retten.“

Flauschi sah sich kurz um.
Flauschi„Das ist lieb. Im Moment stehe ich ganz gut hier.“
Puschel„Aber vielleicht kommt gleich ein Drache!“
Flauschi„Im Garten ist tatsächlich etwas. Ich wollte gerade nachsehen.“
Sie führte ihn durch den Hof. Die Pflastersteine waren glatt und eben. An einer niedrigen Mauer wuchsen helle Blumen. Dahinter lag der Schlossgarten mit einem Kiesweg, einem Gemüsegärtchen und einer runden Laube.
Flauschi blieb am Gartentor stehen.
Flauschi„Vorhin war an der Laubenwand ein riesiger Schatten. Mit zwei langen Spitzen auf dem Kopf. Dann hat es geraschelt und gerumpelt.“
Puschels Schweif hielt mitten im Wackeln an.
Puschel„Zwei Spitzen?“
Flauschi„Ja. Ich konnte nicht sehen, wer dahintersteckt.“
Puschel sah zur Laube. Noch war die Wand leer.
Puschel stellte sich ein bisschen aufrechter hin.
Puschel„Dann sind wir genau zur richtigen Zeit da. Ritter Puschel und Prinzessin Flauschi untersuchen den Fall!“
Er stellte sich vor, wie ein Drache durch den Garten schlich. Einer mit Hörnern, raschelnden Schuppen und einem gewaltigen Bauch. Sein eigener Bauch machte ein winziges Flattern.
Puschel„Vielleicht ist er böse.“
Flauschi legte den Kopf schief.
Flauschi„Vielleicht. Vielleicht erschreckt er sich auch gerade vor uns. Wir haben ihn ja noch gar nicht gesehen.“
Sie betrachtete Puschels Gesicht und wartete.
Flauschi„Magst du mit mir schauen? Wir können jederzeit wieder ins Schloss gehen.“
Puschel atmete langsam aus.
Puschel„Ja. Zusammen. Und nicht gleich ganz nah.“
Flauschi nickte. Dann zog sie das breite Gartentor auf.
Kapitel 4 von 8
Der Garten spielt einen Empfang
Hinter dem Tor bog der Weg zwischen zwei Blumenbeeten hindurch. Eine niedrige Bank stand im Abendlicht. Weiter hinten war die Laube, halb hinter einem Haselstrauch verborgen.
Puschel konnte kaum aufhören, sich umzusehen. Im Beet wuchsen Glockenblumen, deren Blüten beinahe so groß waren wie seine Pfoten. Als er an ihnen vorbeiging, neigten sie sich zu ihm.
Pling.
Eine zweite Blume antwortete mit einem tieferen Plong.
Puschel blieb stehen.
Puschel„Die läuten ja wirklich!“
Flauschi„Du bist schließlich ein besonderer Besuch.“
Puschel strahlte. Er verbeugte sich vor dem Beet.
Die Glockenblumen verbeugten sich zurück.
Pling, plong, pling.
Puschel„Vielen Dank. Ein sehr schöner Empfang.“
Er nahm einen Schritt zurück. Die Blumen richteten sich auf und wurden still. Einen Schritt vor: Pling!
Puschel versuchte es noch einmal. Zurück. Vor. Zurück. Vor.
Bald spielte das ganze Beet einen fröhlichen kleinen Empfang. Puschel bewegte die Pfoten dazu, und sein Schweif schwang im Takt.
Flauschi wippte mit.
Flauschi„Wenn du so weitermachst, kümmern wir uns erst morgen um unseren Fall.“
Puschel hielt mitten im Schritt inne.
Puschel„Stimmt. Ich bin ja im Dienst.“

Er verabschiedete sich mit einem letzten Nicken vom Blumenorchester. Dann ging er weiter, mit glänzenden Augen und einer Melodie im Kopf.
Am Haselstrauch raschelte es. Puschel hörte auf zu summen. Ein Windstoß bewegte die Blätter, und eines segelte vor seine Pfoten.
Flauschi war neben ihm stehen geblieben.
Puschel„Wenn hier Blumen Musik machen, was kann dann erst ein Drache?“
Er versuchte, sich einen singenden Drachen vorzustellen. Ob der wohl die tiefen Töne übernahm?
Hinter dem Strauch glomm ein warmes Licht. Es kam aus einer kleinen geschlossenen Gartenlaterne auf einem niedrigen Sockel.
Da erschien etwas an der hellen Laubenwand.
Erst eine breite, runde Form.
Dann zwei lange Spitzen.
Sie wuchsen hoch über die Blumen hinaus.
Puschels Melodie war mit einem Mal verschwunden. Er machte einen Schritt zurück. Flauschi blieb neben ihm.
Der Schatten neigte den Kopf.
Und aus dem Garten kam ein tiefes, unruhiges Rumpeln.

Kapitel 5 von 8
Der riesige Schatten
Puschel drückte seinen Beutel an sich.
Der Schatten an der Laubenwand war größer als er selbst. Viel größer. Die beiden Spitzen bewegten sich. Eine knickte ein wenig zur Seite.
Im Haselstrauch raschelten trockene Blätter wie Drachenschuppen.
Puschel„Da ist er.“
Er sagte es so leise, dass es beinahe nur seine Stirnlocke hören konnte.
Flauschi sah zur Wand, dann zur Laterne und dann auf den Boden dazwischen. Ein niedriger Pflanztrog versperrte ihnen die Sicht auf die Stelle unmittelbar vor dem Licht.
Flauschi„Ich sehe einen Schatten. Was ihn macht, kann ich noch nicht erkennen.“
Puschel nickte.
Puschel„Ein bisschen weniger Drache hätte für den Anfang auch gereicht.“
Sie gingen gemeinsam bis zur Bank zurück. Von dort konnten sie den Garten gut überblicken. Das Tor blieb offen, der Weg war frei.
Puschel trank einen Schluck Wasser und steckte die verschlossene Flasche zurück in den Beutel. Dann sah er wieder zur Wand.
Puschel„Wir brauchen einen Plan.“
Flauschi„Hast du schon eine Idee?“
Puschel„Wir könnten ihn begrüßen. Ritterlich. Aber von hier.“
Er räusperte sich. Seine erste Begrüßung blieb irgendwo im Hals hängen. Bei der zweiten fand er seine Stimme.
Puschel„Guten Abend! Wir hätten eine kleine Frage!“

Hinter dem Pflanztrog raschelte es, gefolgt von einem dumpfen Rumpeln. Puschel zog den Kopf zwischen die Schultern.
Puschel„Der klingt, als hätte er einen ganzen Turm im Bauch.“
Flauschi„Mir klingt es eher, als wäre sein Bauch gerade unzufrieden.“
An der Wand bog sich eine der langen Spitzen zur Seite. Puschel kniff die Augen ein wenig zusammen.
Puschel„Seltsame Hörner.“
Da richteten sich beide Spitzen auf. Und hinter dem Pflanztrog erklang ein winziges, helles Niesen.
Puschel„Hatschi?“
Flauschi sah ihn an.
Flauschi„Gesundheit?“
Nach einem Moment antwortete eine kleine Stimme.
Stimme aus dem Garten„Danke.“
Puschels Ohren richteten sich im Helm auf.
Er hatte mit vielen Dingen gerechnet. Mit Brüllen. Mit Stampfen. Vielleicht mit einem Drachen, der über das Schloss meckerte.
Mit einem höflichen Danke hatte er nicht gerechnet.
Puschel„Flauschi? Ich glaube, unser Drache ist erkältet.“
Kapitel 6 von 8
Wer sitzt vor der Laterne
Flauschi musste lächeln.
Flauschi„Wir könnten ihn erst einmal fragen.“
Sie blieb neben der Bank stehen.
Flauschi„Hallo! Ich bin Flauschi. Neben mir steht Puschel. Wer bist du?“
Stimme aus dem Garten„Ich bin hier.“
Puschel„Hier ist ziemlich groß.“
Stimme aus dem Garten„Vor dem Licht. Hinter dem Topf.“
Puschel und Flauschi wechselten einen Blick und gingen auf dem freien Weg ein Stück zur Seite. Nun konnten sie hinter den Pflanztrog sehen.
Dort saß ein kleines Hoppelhäschen.

Es hatte weiches sandfarbenes Fell, eine helle Schnauze und eine winzige wackelnde Nase. Ein Ohr stand aufrecht. Das andere neigte sich seitlich, als würde es heimlich zuhören.
Das Häschen saß dicht vor der Laterne. Hinter ihm lag die helle Laubenwand. Das Licht warf seinen Schatten über die ganze Wand: den runden Körper und die beiden langen Ohren.
Puschel sah vom Häschen zur Wand und hob eine Pfote ins Licht. Ihr großer Schatten schob sich über den hellen Stein. Er nahm sie zurück, und der Pfotenschatten verschwand.
Puschel„Du bist das!“

Das Häschen schaute zu seinem Schatten an der Wand.
Häschen„Oh.“
Es legte die Ohren an und richtete sie wieder auf. Die langen Spitzen an der Wand machten jede Bewegung mit.
Flauschi kicherte leise.
Flauschi„Zwei sehr bewegliche Hörner.“
Puschel ließ die Schultern sinken.
Puschel„Ich habe gedacht, du wärst ein böser Drache.“
Das Häschen sah ihn erschrocken an.
Häschen„Habe ich etwas Böses gemacht?“
Puschel schüttelte schnell den Kopf.
Puschel„Nein. Ich habe deinen Schatten gesehen und mir den Rest ausgedacht. Entschuldige.“
Das Häschen schnupperte. Dann stupste es mit seiner Nase ein trockenes Blatt beiseite.
Raschel.
Im selben Moment rauschte der Wind durch den Haselstrauch.
Puschel hörte zu. Blätter auf dem Boden. Blätter am Strauch. Keine Schuppen.
Nun rumpelte es noch einmal.
Das Häschen schaute auf seinen Bauch.
Häschen„Und das war auch ich.“
Kapitel 7 von 8
Eine Rettung für den knurrenden Bauch
Puschel hockte sich mit etwas Abstand hin. Flauschi setzte sich auf die niedrige Bank daneben.
Puschel„Dein Bauch klingt viel größer als du.“
Häschen„Er wartet schon lange auf Abendessen.“
Flauschi zeigte zum Gemüsegärtchen. Sein kleines Tor stand offen. Dahinter waren Beete mit Karotten und Salat zu sehen.
Flauschi„Das ist mein Karottenbeet. Magst du eine?“
Das Häschen nickte so eifrig, dass beide Ohren wackelten.
Puschel richtete sich auf.
Puschel„Dann rette ich jetzt dein Abendessen!“
Er blieb einen Augenblick stehen.
Puschel„Oder eher deinen Bauch vor dem Warten.“
Flauschi„Das klingt nach einem passenden Ritterauftrag.“
Sie gingen zum Beet. Flauschi lockerte die Erde um eine Karotte. Puschel zog sie vorsichtig heraus. Das Grün kitzelte an seiner Nase.
Puschel„Ha… ha…“
Er wandte sich zur Seite.
Puschel„Hatschi!“
Vom Pflanztrog kam die kleine Stimme.
Häschen„Gesundheit!“
Nun mussten alle drei lachen.

Flauschi spülte die Karotte an der Gartenzapfstelle ab. Puschel breitete sein Tuch auf einem flachen Stein aus und legte die Karotte darauf. Dazu stellte Flauschi ein kleines Schälchen mit Wasser.
Dann setzten sich beide ein wenig zurück. Das Häschen durfte selbst näherkommen.
Es schnupperte am Tuch, sah zu Puschel und Flauschi und nahm schließlich die Karotte zwischen seine Vorderpfoten.
Knusper.
Noch einmal knusper.
Puschel lauschte zufrieden.
Flauschi brachte vom Schloss einen kleinen Teller mit Apfelschnitzen. Für eine Weile saßen sie einfach da und aßen.
Die Laterne leuchtete hinter ihnen. Das Häschen war nun weiter vom Licht entfernt, und sein Schatten war kleiner geworden. Die Ohren konnte man trotzdem noch gut erkennen.
Puschel„Ein Drache mit langen Ohren und einer Karotte.“
Das Häschen hielt beim Knabbern inne.
Puschel lächelte es an.
Puschel„Wenn du magst, meine ich.“
Das Häschen betrachtete seinen Schatten.
Häschen„Ein Karottendrache.“
Es setzte sich ein bisschen aufrechter hin, mit der Karotte stolz vor dem Bauch.
Flauschi machte eine kleine Verbeugung im Sitzen.
Flauschi„Dann willkommen auf Schloss Kicherstein, lieber Karottendrache.“

Kapitel 8 von 8
Der Ritter unter der Bettdecke
Als die Karotte aufgeknabbert war, führte Flauschi das Häschen zum Gartentor. Dahinter begann eine Wiese. Von dort kannte es den Heimweg.
Puschel nahm das Tuch wieder an sich. Flauschi räumte das Schälchen und den Apfelteller weg. Nichts blieb auf dem Weg liegen.
Das Häschen hoppelte ein paar Schritte hinaus und drehte sich noch einmal um.
Häschen„Gute Nacht, Ritter Puschel. Gute Nacht, Prinzessin Flauschi.“
Puschel hob die Pfote. Flauschi winkte ebenfalls.
Dann verschwand das kleine sandfarbene Häschen zwischen den Grashalmen. Seine Ohren waren noch einen Augenblick zu sehen. Schließlich war auch das letzte Ohr verschwunden.
Puschel und Flauschi gingen durch den stillen Garten zurück. An der Laubenwand war kein großer Schatten mehr. Der Wind bewegte die Blätter, und die Glocke über dem Schlosstor kicherte leise.
Puschel„Ich wollte dich vor einem Drachen retten.“
Flauschi„Und dann haben wir einem Häschen zu Abendessen verholfen.“
Puschel„Das ist ein ganz anderes Abenteuer geworden.“
Flauschi„Hat es dir gefallen?“
Er nickte.
Puschel„Besonders der Teil, als aus den Hörnern Ohren wurden. Und mein Ritterempfang!“
Am Blumenbeet hielt er kurz an. Er hob erst die linke Pfote, dann die rechte.
Pling, plong.
Flauschi machte zwei kleine Schritte dazu. Die Blumen läuteten ihnen zum Abschied, bis das letzte Pling hinter ihnen verklungen war.
Flauschi nahm seine Pfote. Sie gingen nebeneinander durch das Tor.
Der Weg dahinter wurde weich. Die Hügel sahen plötzlich wieder aus wie Deckenfalten. Puschels Umhang fühlte sich warm an, wie die rosa Strickdecke. Die Schlossglocke klang immer weiter entfernt.
Sein Helm wurde ganz leicht.
Und dann war er fort.
Puschel öffnete die Augen.
Er lag im vertrauten Holzbett. Durch die runden Fenster fiel Morgenlicht. Neben ihm schlief Flauschi noch, orange und warm, mit ihrer weißen Blüte am Ohr. Keine Krone. Kein Schloss.
Puschel schaute vorsichtig unter die Decke.
Zwei Pfoten. Ein heller Bauch. Sein eigener Schweif.
Keine Ritterausrüstung.

Flauschi blinzelte.
Flauschi„Guten Morgen. Suchst du etwas?“
Puschel„Meinen Helm. Aber ich glaube, der ist im Traum geblieben.“
Er erzählte ihr vom Schloss, vom riesigen Schatten und vom kleinen Hoppelhäschen. Flauschi hörte zu und zog die Decke ein Stück über ihre Pfoten.
Puschel„Ich wollte dich retten. Am Ende habe ich einen Karottenauftrag erledigt.“
Flauschi„Ein Ritter, der zuhört und Abendessen findet. Den würde ich wieder einladen.“
Puschel strahlte.
Dann knurrte sein Bauch.
Beide sahen unter die Decke.
Puschel„Noch ein Drache?“
Flauschi„Diesmal einer, der Frühstück möchte.“
Puschel kuschelte sich für einen letzten Augenblick an sie.
Puschel„Dann retten wir jetzt das Frühstück.“
Flauschi kicherte.
Flauschi„Zusammen.“
Ende
Idee und redaktionelle Begleitung: Martin · Text und Bilder mit KI-Unterstützung gestaltet.