Puschels Pannen · 37

Das magentafarbene Fellrätsel

Puschel sitzt vollständig magentafarben und erschrocken im Bett, während Flauschi ihn entsetzt ansieht
Über Nacht ist aus Blau plötzlich leuchtendes Magenta geworden.

Am Morgen fiel ein warmer Sonnenstrahl durch das runde Schlafzimmerfenster und kitzelte Puschel an der Nase. Er blinzelte, gähnte und wollte gerade seinen kleinen Teddy fester an sich drücken. Da entdeckte er eine Pfote, die ganz und gar nicht blau war.

Puschel„Flauschi? Meine Pfote hat sich über Nacht verkleidet!“

Flauschi kam ins Zimmer, blieb mitten im Schritt stehen und riss die Augen auf. Nicht nur die Pfote war anders. Puschel leuchtete von den Ohrspitzen bis zum Ende seines großen Schweifs in kräftigem Magenta – beinahe genau wie RAL 4010.

Flauschi„Du bist ja komplett magenta! Tut dir irgendetwas weh?“

Puschel wackelte mit den Ohren, hüpfte einmal auf der Matratze und bewegte jede Pfote. Alles fühlte sich normal an. Nur die Farbe war geblieben. Flauschi atmete erleichtert aus und beschloss, mit der einfachsten Lösung anzufangen.

Der magentafarbene Puschel sitzt voller Schaum in der hölzernen Badewanne, während Flauschi ihn mit einem Schwamm wäscht
Das größte Schaumbad des Wuselhauses soll die Farbe vertreiben.

Im Badezimmer ließ sie warmes Wasser in die große hölzerne Wuselwanne laufen. Sie gab einen kleinen Klecks Waldseife hinein, und im Nu türmten sich weiche Schaumberge bis an Puschels Kinn.

Puschel„Wenn viel Schaum viel hilft, bin ich gleich doppelt blau!“

Flauschi wusch erst vorsichtig eine Pfote, dann ein Ohr und schließlich den Schweif. Doch unter jeder verschwundenen Schaumblase kam wieder dasselbe leuchtende Magenta zum Vorschein.

Flauschi„Dann brauchen wir wohl die große Bürste. Ganz sanft, versprochen.“
Puschel„Groß und sanft passen bei Bürsten selten in denselben Satz.“

Flauschi stemmte beide Pfoten an den langen Bürstenstiel und schrubbte so kräftig, dass der Schaum durch das ganze Bad flog. Puschel wand sich kichernd in der Wanne, weil es fürchterlich kitzelte. Als die letzte Schaumwolke landete, war sein Fell sauber, zerzaust – und noch immer magenta.

Flauschi schrubbt den kitzeligen magentafarbenen Puschel mit einer langstieligen Bürste, während viel Schaum durch das Badezimmer spritzt
Puschel ist kitzelig – die magentafarbene Farbe leider nicht.

Flauschi stellte die Bürste ab, kratzte sich nachdenklich am Kopf und blickte zur Tür. Irgendwo im Wuselhaus kannte sie doch eine Lösung für besonders hartnäckige Zauberfarben.

Flauschi„Das magische Wuselbuch! Dort steht sogar, wie man singende Pilze wieder leise bekommt.“

Im Kräuterzimmer schlug sie das schwere grüne Buch auf. Zwischen gemalten Blättern, Monden und Eicheln fand sie die Seite über ungewöhnliche Fellfarben. Puschel saß daneben auf einem Hocker und tropfte geduldig auf ein Handtuch.

Flauschi mischte Mondminze, drei Blätter Kichergras und eine winzige Prise Funkelstaub. Der Trank blubberte goldgelb. Sie tauchte einen Holzlöffel hinein und tupfte einen einzigen Tropfen auf Puschels Fell.

Der nasse und zerzauste magentafarbene Puschel wartet neben Flauschi, die im magischen Wuselbuch liest und Kräuter mischt
Im magischen Wuselbuch muss doch eine Lösung stehen.

Pling! Auf Puschels magentafarbenem Bauch erschien ein großer türkisfarbener Punkt. Dann plingte es noch einmal – und noch einmal. Schon bald war er von den Ohren bis zum Schweif übersät.

Puschel„Die Farbe ist nicht weg. Aber jetzt hat sie Gesellschaft bekommen.“
Puschels magentafarbenes Fell ist plötzlich mit großen türkisfarbenen Punkten bedeckt, während Flauschi überrascht auf den Kräutertrank schaut
Die Farbe bleibt und bekommt auch noch türkisfarbene Punkte.

Flauschi beugte sich über das Buch. Bevor sie die nächste Zeile lesen konnte, machte es leise Poff. Puschels Fell stellte sich in alle Richtungen auf und wurde immer runder, bis er wie eine riesige magenta-türkis gepunktete Flauschkugel im Zimmer stand.

Flauschi„Das war offenbar etwas mehr Kichergras, als die Zeichnung meinte.“

Puschel hob eine Pfote vor sein Gesicht und betrachtete den türkisfarbenen Fleck darauf mit einem schiefen Lächeln. Er war so aufgeplustert, dass seine Pfote bei jeder Bewegung ein Stück im Fell verschwand. Flauschi dachte angestrengt nach und las diesmal auch das besonders klein geschriebene Ende der Seite.

Puschel ist zu einer großen magentafarbenen Flauschkugel mit türkisfarbenen Punkten aufgeplustert und betrachtet neugierig seine Pfote, während Flauschi nachdenkt
Ein leises Poff macht Puschel zur gepunkteten Flauschkugel.

Für den zweiten Versuch gab sie ein Entplusterblatt, zwei Tautropfen und eine Spur Ringelrinde in die Schale. Der neue Trank schimmerte türkis und zog goldene Spiralen durch die Luft.

Flauschi„Dieser Tropfen kommt nur auf eine einzige Fellspitze. Wir wissen inzwischen, wie begeistert dein Fell reagiert.“

Kaum hatte der Tropfen Puschel berührt, lösten sich die türkisfarbenen Punkte als schwebende Blasen. Gleichzeitig sank das kugelrunde Fell wieder zusammen – doch jede Fellspitze kringelte sich. Auf dem Kopf, am Bauch und sogar im großen Schweif sprangen wilde magentafarbene Locken hervor.

Puschels magentafarbenes Fell und sein Schweif kringeln sich in wilden Locken, während türkisfarbene Blasen verschwinden und Flauschi erstaunt auf ihn zeigt
Die Punkte verschwinden, doch dafür kringelt sich jede einzelne Fellspitze.
Puschel„Ich glaube, mein Fell möchte heute unbedingt etwas Neues ausprobieren.“

Flauschi musste kurz lächeln, blieb aber bei der Sache. Sie verglich die Locken mit der Zeichnung, blätterte eine Seite zurück und entdeckte am unteren Rand einen kleinen Hinweis, den zuvor ein getrocknetes Blatt verdeckt hatte.

Flauschi„Hier steht es: Bei Farbe über Nacht braucht man Morgentau statt gewöhnlicher Tautropfen. Jetzt machen wir es richtig.“

Für den letzten Versuch mischte Flauschi frischen Morgentau mit Blauglöckchenblättern und genau einem Körnchen Funkelstaub. Sie rührte dreimal linksherum, einmal rechtsherum und tupfte den fertigen Trank behutsam auf Puschels Pfote.

Ein sanftes goldenes Leuchten wanderte über Puschels Körper. Die wilden Locken lösten sich als kleine magentafarbene Kringel, funkelten noch einmal und verschwanden. Darunter kam sein vertrautes weiches blaues Fell zum Vorschein – an den Pfoten, am Bauch, an den Ohren und zuletzt am großen buschigen Schweif.

Puschel steht wieder mit seinem normalen blauen Fell neben Flauschi, während sich die letzten magentafarbenen Locken in goldenen Funken auflösen
Der letzte Versuch bringt Puschels vertrautes Blau zurück.
Puschel„Blau! Ich habe mein Blau wieder!“
Flauschi„Und ich habe gelernt, beim Zauberrezept auch unter getrockneten Blättern nachzusehen.“

Erleichtert umarmten sich die beiden. Puschel hob eine letzte magentafarbene Locke vom Boden auf und legte sie als Erinnerung zwischen die Seiten des Wuselbuchs. Als Flauschi das Buch zuklappte, flatterte darunter noch ein winziger Zettel hervor.

Darauf stand: „Achtung: Wer am Abend viel zu viele reife Wuselbeeren nascht, kann über Nacht ihre kräftige Farbe im Fell tragen.“ Flauschi sah erst den Zettel an, dann Puschel. Der schaute plötzlich sehr beschäftigt zur Zimmerdecke.

Flauschi„Puschel, wie viele Wuselbeeren hast du gestern Abend gegessen?“
Puschel„Zuerst nur eine Handvoll. Dann noch eine. Und irgendwann war der ganze Korb überraschend leer.“

Damit war das Fellrätsel endlich gelöst: Kein unbekannter Zauber hatte Puschel magenta gefärbt. Es waren viel zu viele Wuselbeeren gewesen. Ihr kräftiger Beerenglanz hatte sich über Nacht bis in jede Fellspitze geschlichen.

Flauschi„Beim nächsten Beerenhunger teilen wir den Korb. Dann wirst du höchstens ein kleines bisschen rosa.“

Puschel versprach es und beide mussten lachen. Dann gingen sie frühstücken. Nach einem Schaumbad, einer Bürstenkitzelrunde und drei wilden Fellverwandlungen hatte Puschel nämlich schon wieder riesigen Hunger – diesmal auf etwas ganz ohne Wuselbeeren.

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