Staffel 5 · Folge 3 · Geschichte 5 von 5
Küche & Genuss
Ein Picknick ohne Wunschliste
Die Insel der vergessenen Wünsche · Die Insel der leisen Wünsche

Flauschi wollte gern eine Pause. Auf der trockenen Wiese unter der Weide legten sie ihre karierte Decke aus. Das Schiffchen bekam einen eigenen Stein abseits des Essens. Nach dem Reinigen ihrer Pfoten öffneten sie den Korb. Vorbereitetes Brot, gewaschene Apfelstücke und Trinkwasser kamen zum Vorschein.
Puschel legte das Essen auf den Holzteller und füllte zwei Becher. Dann setzte er sich neben Flauschi. Sie nahm ihren Becher mit beiden Pfoten, während Puschel ein Stück Brot hielt. Die Wünsche an der Tafel waren von hier aus nicht zu lesen. Für einen Moment mussten sie überhaupt nichts lesen.
Puschel„Ich könnte eine riesige Wunschliste machen. Bankgesellschaft am Montag, Steinversuche am Dienstag, Ballpässe am Mittwoch.“
Flauschi betrachtete ihn über ihren Becherrand hinweg. Puschel hörte sich selbst noch einen Augenblick zu. Seine große Liste hatte wieder sehr viel Platz bekommen. Für die unbekannten Menschen und ihre Antworten blieb darin erstaunlich wenig übrig.
Flauschi„Möchtest du erst einmal dein Brot essen?“
Puschel„Das ist ein Wunsch, bei dem der Empfänger eindeutig feststeht.“
Beide lachten. Puschel biss ab und ließ seine Liste ungeschrieben. Flauschi trank einen Schluck. Sie aßen in Ruhe und hörten dem Wind in der Weide zu. Niemand musste aus dem Picknick eine Besprechung machen.
Später sagte Puschel, dass er einen kleineren Anfang besser fände: Beim nächsten Treffen mit jemandem fragen, ob Gesellschaft, ein Spiel oder Hilfe gewünscht sei. Flauschi nickte. Es musste keine Veranstaltung entstehen, bevor überhaupt jemand zugesagt hatte.
Puschel„Und wenn jemand eine ganz andere Antwort hat?“
Flauschi„Dann hören wir sie uns an. Unsere drei Zettel sind keine Liste aller Wünsche.“
Als sie satt und ausgeruht waren, packten sie ihre Sachen ein. Sie nahmen alles wieder mit und verließen die Insel über denselben geöffneten Besucherweg und die Brücke. Am Waldhaus hinterließen sie die Nachricht über das gefundene Schiffchen, ohne den fremden Wunschzettel öffentlich auszuhängen. Das Spielzeug nahmen sie bis zur Rückmeldung weiter in Obhut.
Einen Namen hatten sie noch immer nicht. Dafür wussten sie jetzt, wo sie weiterfragen konnten. Und dass eine leise Frage manchmal mehr Platz für einen Wunsch ließ als ein großer Plan.